Plaudern übern Gartenzaun

Seitdem ich Twitter nutze spukt mir immer wieder ein Foto durch den Kopf: Meine Großmutter steht am Zaun Ihres Grundstückes und plaudert mit ihren Nachbarinnen – laut meinem Großvater war es ein täglich wiederkehrendes Ritual. Irgendwann habe ich sie mal gefragt, was da eigentlich geredet wurde: Naja, über Neuigkeiten halt, gab sie erstaunt zurück. Jede erzählte, was sie am Vormittag schon geschafft hätte, 200 Gurkengläser einmachen z.B. oder aber es wurden günstige Angebote weitergegeben, man sprach über aktuelle Befindlichkeiten und holte sich Trost, der neueste Dorfklatsch wurde ausgetauscht und Tipps weitergegeben. Alles ging immer sehr kurz, höchstens 15 Minuten, man musste ja weiterarbeiten.

Wenn ich mir jetzt Twitter anschaue und nun seit einer guten Woche ausprobiere, dann muss ich genau an diesen Plausch am Gartenzaun denken: Es wird genutzt:

  • Es wird genutzt, um Informationen weiterzugeben, sich zu präsentieren, Befindlichkeiten zu äußern, um Hilfe zu bitten.

  • Es ist kurz und knapp, 140 Zeichen lassen keine Ausschweifungen zu
  • Es ist zwanglos: Im Gegensatz zu ICQ, Chatsystemen oder anderen synchronen Medien kann ich mich an Unterhaltungen beteiligen, muss es aber nicht.

Für mich ist Twitter zur Zeit aus zwei ganz einfachen Gründen interessant:

  1. Einen Großteil meiner Arbeitszeit verbringe ich am heimischen Schreibtisch. Da ist das Tool eine unverbindliche Tür nach draußen.
  2. Ich erfahre von spannenden Calls und interessanten Projekten, die ich sonst vielleicht erst viel später wahrgenommen hätte.

Schwer nachzuvollziehen ist für mich – ebenso wie z.B. für Michael Kerres und Helge Städtler – die Anhäufung und Verfolgung möglichst vieler Personen. Dann wird es unübersichtlich und ein Informationsüberfluss (im schlimmeren Fall ein Werbeüberfluss).

Spannend ist natürlich die Frage, wie und ob Twittern für das Lernen eingesetzt werden kann (s.a. Blog von Mandy Schiefner: http://2headz.ch/blog/2009/01/sinn-und-unsinn-von-twitter/).
Für den Austausch von Informationen ist es sicherlich interessant: So habe ich in der letzten Woche eine Menge über das „Lernen durch Lehren Konzept“ und die Manschdraht Community erfahren. (Vielleicht kam daher auch die Erinnerung an das Gartenzaunfoto ;-). Ob es sich aber für die Begleitung von Konferenzen (anstelle eines Forums oder moderierten Chats) oder gar für die Übermittlung von Lerninhalten eignet, da bin ich skeptisch. Die (sympathischen) 140 Zeichen sind m.E. zu kurz, um Inhalte angemessen zu übermitteln (… auch wenn so manchem Forum eine relative Zeichenbegrenzung zur Ankurbelung der Diskussion und Vermeidung von Selbstdarstellungsschriften gut tun würde, aber das ist eine andere Geschichte), noch viel weniger können Sie ‚Zwischentöne’ und (trockenen) Humor rüberbringen, die Nachrichten ‚klingen’ teilweise recht ‚hart’, zu viel Raum für Missverständnisse...

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das ist in der Tat kurios!

das ist in der Tat kurios! Was mag die Nutzerin angetrieben haben... ;-)

Schwer nachzuvollziehende Aspekte

Hallo Britta,

das Kurioseste, was mir bei Twitter untergekommen ist, war eine Nutzerin, die nur Leuten mit dem Vornamen Axel folgte. Mein Kollege diesen Vornamens zeigte mir eines Morgens den Kontaktversuch dieser Nutzerin, obwohl sein Account geschützt ist.

Viele Grüße,

Nadine

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